Für Ärzte

Herz-CT-Checkliste

Kompakter Indikationsleitfaden für die Herz-CT-Angiographie – orientiert an den aktuellen ESC-Leitlinien (2019/2024) und der NVL Chronische KHK.

Q3-Siegel Herz-CT der AG Herz- und Gefäßdiagnostik in der Deutschen Röntgengesellschaft.
Q3-Anerkennung mit Ausbilder-Befugnis (Stufen Q1 und Q2)Dr. med. Christoph Treutlein

Wann ist eine Herz-CT angezeigt?

Die folgende Übersicht orientiert sich an publizierten Leitlinien. Die endgültige Indikationsstellung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

  • Stabile Brustschmerz-Symptomatik mit niedriger bis mittlerer Pre-Test-Probability

    Nach ESC-Leitlinie (Chronic Coronary Syndromes) ist die CCTA bei niedriger bis mittlerer Pre-Test-Probability von 5–50 % die nicht-invasive anatomische Erstuntersuchung. Zulasten der GKV gilt die engere G-BA-Vorgabe: Mindest-VTW 15 %, Zielkorridor 15–50 % („soll“, § 3 Abs. 1 MVV-RL Anlage I Nr. 42). Oberhalb von 50 % bleibt die CCTA zulässig und abrechenbar – sinnvoll mit kurzer Begründung auf der Überweisung; ab etwa 85 % VTW ist primär die invasive Koronarangiografie empfohlen.

  • Unklare oder nicht-konklusive Funktionstests

    Bei nicht-eindeutigen Ergebnissen aus Belastungs-EKG, Stressecho oder Myokardszintigraphie kann die CCTA komplementär die anatomische Beurteilung der Koronarien liefern.

  • Niedriges Risiko nach Brustschmerz-Triage

    In ausgewählten Fällen nach kardiologischer Erst­einschätzung – als ergänzende anatomische Bildgebung zur Risikostratifizierung.

  • Vor strukturellen Herzeingriffen

    Anatomische Planung vor TAVI, Pulmonalvenen-Isolation, Mitralklappen­einEingriffen – präzise räumliche Darstellung der relevanten Strukturen. ⚠ Diese Planungsuntersuchungen sind keine KHK-Abklärung und damit nicht über die GOP 34370 abrechenbar; sie laufen in der Regel über den stationären Eingriff. Details im Abrechnungsabschnitt des Zuweiser-Leitfadens.

  • Bypass-Verlaufsbeurteilung

    Nicht-invasive Kontrolle der Durchgängigkeit von Bypassgrafts.

  • Wiederholung: einmal im Krankheitsfall

    Die GOP 34370 (CCTA inkl. nativer Kalk-Bestimmung, im EBM seit 01.01.2025) ist einmal im Krankheitsfall berechnungsfähig. Der Krankheitsfall umfasst das Abrechnungsquartal plus die drei folgenden Quartale – eine erneute CCTA zur selben Erkrankung ist frühestens im vierten Folgequartal wieder abrechenbar (je nach Zeitpunkt rund 9–12 Monate).

  • Calcium-Score

    Quantifizierung der koronaren Kalkbelastung als kardiovaskulärer Risikomarker. Bei asymptomatischen Patienten als IGeL – Indikation und Abrechnung werden vorab persönlich besprochen.

Was die Überweisung enthalten sollte

Die folgenden Angaben helfen uns, die Untersuchung optimal vorzubereiten und ggf. Kontraindikationen frühzeitig zu erkennen:

  • Klinische Fragestellung (z. B. Verdacht auf KHK, Bypass-Verlauf)
  • Wichtige Vor­erkrankungen (KHK, Z. n. Stent oder Bypass, Herzklappen­erkrankung, Rhythmus­störungen)
  • Pre-Test-Probability nach NVL-Tabelle 6 (DISCHARGE), ESC 2019 oder Marburger Herzscore, falls verfügbar
  • Aktuelle Medikation (insb. Beta-Blocker, Nitrate, Metformin)
  • Allergien (insb. iodhaltige Kontrastmittel)
  • Nierenfunktion (aktueller eGFR-Wert, falls Niereninsuffizienz bekannt)
  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Bei Selbstzahler-/Privatleistung: Hinweis auf abrechnungs­technische Besonderheiten

Relative Kontraindikationen

Folgende Konstellationen erfordern eine besondere Vorbereitung oder eine alternative Untersuchungs­strategie:

  • Schwere Niereninsuffizienz(eGFR < 30 ml/min) – Kontrastmittel-Anwendung individuell abwägen
  • Manifeste Hyperthyreose – vorab endokrinologische Abklärung
  • Bekannte schwere Kontrastmittel-Allergie – Prämedikation oder alternative Bildgebung erwägen
  • Schwangerschaft – strenge Indikationsstellung, alternative Methoden bevorzugen
  • Sehr hohe oder unkontrollierte Herzfrequenz – Vorbereitung mit Beta-Blockern (sofern nicht kontraindiziert) ratsam

Vorbereitung des Patienten

  • Leichte Mahlzeit bis 1 Stunde vor der Untersuchung – eine Nüchternheit ist nicht erforderlich. Ausreichend Wasser trinken.
  • Kein Koffein am Untersuchungstag (Kaffee, Schwarz- und Grüntee, Cola, Energydrinks) – hält die Herzfrequenz niedrig
  • Medikation wie gewohnt einnehmen – Ausnahme: PDE-5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil, Avanafil; z. B. Viagra, Cialis, Levitra, Spedra) 72 Stunden vorher absetzen, da wir vor der Aufnahme Nitrat sublingual geben. Bei Dauertherapie (pulmonale Hypertonie, benigne Prostatahyperplasie) nicht eigenmächtig absetzen – bitte vorab Rücksprache.
  • Aktuellen Medikamentenplan mitbringen
  • Aktuelle Blutwerte, falls vorhanden – eGFR nicht älter als 2 Wochen bei bekannter Niereninsuffizienz, TSH nicht älter als 3 Monate bei Schilddrüsen­erkrankung oder -medikation
  • Aktuelle Voraufnahmen mitbringen (CD-ROM oder via Befund-Service)
  • Bequeme Kleidung ohne metallische Verschlüsse im Brustbereich

Direkter Draht zur Befundung

Für persönliche fachliche Rücksprache zu Indikationsstellung, Voraufnahmen oder komplexen Fragestellungen erreichen Sie unsere Radiologen in den dokumentierten Sprechzeiten direkt unter 0931 41799-0.